Äpfel der Hesperiden
Herkules (Herakles) holt die Äpfel der Hesperiden

Die Äpfel der Hesperiden zu stehlen ist die elfte Aufgabe von zwölfen, die Herakles vom Orakel von Apollo aufgetragen wurde.
Nach einer beschwerlichen Reise, in der er viele Gefahren überwinden muss, gelangt Herakles endlich in das Land, das ihm Prometheus gewiesen hatte. In diesem würde nach Prometheus' Weisung der Garten mit dem verheißungsvollen Baum sein. Dieser Garten sei, so Prometheus, von vier Hesperiden bewacht, die die Töchter des Atlas seien. Außerdem würde er noch von einem hundertköpfigen Drachen, Ladon, einem Sohn des Phorkys, bewacht.
Aufgrund dieser Tatsachen rät Prometheus Herakles, nicht persönlich die goldenen Äpfel zu stehlen, sondern Atlas darauf anzusetzen. Er selbst solle Atlas anbieten, für diesen den Himmel solange zu tragen.
Genau so kommt es. Atlas willigt ein, die Äpfel zu stehlen. Zuerst überwältigt er den sich um den Baum ringenden Ladon, indem er ihn einschläfert und ihn dann tötet. Hierauf überlistet er die vier Hesperiden und kehrt mit drei goldenen Äpfeln des besagten Baumes zu Herakles zurück, will aber nicht mehr die Lasten des Himmels auf sich nehmen. Er wirft die Äpfel vor Herakles auf den Rasen und läßt ihn mit der Last zurück.
Herakles will jedoch nicht für immer diese Lasten tragen. Er denkt sich eine List aus, die er auch sogleich ausführt. Der Halbgott sagt, Atlas möge ihm bitte die Last kurz abnehmen, damit er sich einen Bausch Stricke um den Kopf binden könne, da sonst sein Gehirn gesprengt werden. Atlas gewährt im diese Bitte und nimmt Herkules die Last ab. Doch statt sich einige Stricke um den Kopf zu binden stiehlt er sich samt den Äpfeln davon.
Er legt die Äpfel auf den Altar der Athene, nachdem Eurystheus, der den Auftrag gegeben hatte und gehofft hatte, dass Herakles bei dieser Aufgabe sterben würde, sie nicht annehmen will.
Athene bringt später die Äpfel in den Garten zurück.
Sebastian van Vugt, 7 b

Und hier der Originaltext von Gustav Schwab:
Einst bei der feierlichen  Vermählung des Zeus mit Hera, als alle Götter dem erhabenen Paar ihre Hochzeitsgeschenke darbrachten, wollte auch Gäa nicht zurückbleiben; sie ließ daher am Westgestade des großen Weltmeeres einen ästereichen Baum voll goldener Äpfel hervorwachsen. Vier Jungfrauen, Hesperiden genannt, Töchter der Nacht, waren die Wärterinnen dieses heiligen Gartens, den außerdem noch ein hundertköpfiger Drache bewachte, Ladon, ein Sprößling des Phorkys, des berühmten Vaters so vieler Ungeheuer, und der erdgeborenen Keto. Kein Schlaf kam je über die Augen dieses Drachen, und ein fürchterliches Gezisch verkündete seine Nähe, denn jede seiner hundert Kehlen ließ eine andere Stimme hören.
Diesem Ungeheuer, so lautete der Befehl des Eurystheus, sollte Herakles die goldenen Äpfel der Hesperiden entreißen. Der Halbgott machte sich auf den langen und abenteuerlichen Weg, auf welchem er sich dem blinden Zufall überließ, denn er wußte nicht, wo die Hesperiden wohnten. Zuerst gelangte er nach Thessalien, wo der Riese Termeros hauste, der alle Reisenden, denen er begegnete, mit seinem harten Hirnkasten zu Tode rannte. Aber an des göttlichen Herakles Schädel zersplitterte das Haupt des Riesen. Weiter vorwärts, am Flusse Echedoros, kam dem Helden ein anderes Ungetüm in den Weg: Kycnus, der Sohn des Ares und der Pyrene. Dieser von dem Halbgotte nach den Gärten der Hesperiden befragt, forderte statt aller Antwort den Wanderer zum Zweikampf heraus und wurde von Herakles erschlagen. Da erschien Ares, der Gott selbst, den getöteten Sohn zu rächen, und Herakles sah sich gezwungen, mit ihm zu kämpfen.
Aber Zeus wollte nicht, daß seine Söhne Bruderblut vergössen, und ein plötzlich mitten zwischen beide geschleuderter Blitz trennte die Kämpfer.
Herakles schritt nun weiter durchs illyrische Land, eilte über den Fluß Eridanos und kam zu den Nymphen des Zeus und der Themis, die an den Ufern dieses Stromes wohnten. Auch an sie richtete der Held seine Frage. "Geh zu dem alten Stromgotte Nereus", war ihre Antwort, "der ist ein Wahrsager und weiß alle Dinge. Überfall ihn im Schlafe und binde ihn, so wird er gezwungen, den rechten Weg dir angeben."
Herakles befolgte diesen Rat und bemächtigte sich des Flußgottes, obgleich dieser nach seiner Gewohnheit sich in allerlei Gestalten verwandelte. Er ließ ihn nicht eher los, bis er erkundet hatte, in welcher Weltgegend er die goldenen Äpfel der Hesperiden antreffen werde.
Hierüber belehrt, durchzog er weiter Libyen und Ägypten. Über das letztere Land herrschte Busiris, der Sohn des Poseidon und der Lysianassa. Ihm war bei einer neunjährigen Teuerung durch einen Wahrsager aus Cypern das grausame Orakel geworden, daß die Unfruchtbarkeit aufhören solle, wenn dem Zeus jährlich ein fremder Mann geschlachtet würde. Zum Danke machte Busiris den Anfang mit dem Wahrsager selbst; allmählich fand der Barbar ein Gefallen an dieser Gewohnheit und schlachtete alle Fremdlinge, welche nach Ägypten kamen. So wurde denn auch Herakles ergriffen und zu den Altären des Zeus geschleppt. Er aber riß die Bande, die ihn fesselten, entzwei und erschlug den Busiris mitsamt seinem Sohn und dem priesterlichen Herold.
Unter mancherlei Abenteuern zog der Held weiter, befreite ... den an den Kaukasus geschmiedeten Titanen Prometheus und gelangte endlich nach der Anweisung des Entfesselten in das Land, wo Atlas die Last des Himmels trug und in dessen Nähe der Baum mit den goldenen Äpfeln von den Hesperiden gehütet wurde. Prometheus hatte dem Halbgotte geraten, sich nicht selbst dem Raube der goldenen Früchte zu unterziehen, sondern den Atlas auf diesen Fang auszusenden. Er selbst erbot sich dafür, so lange das Tragen des Himmels auf sich zu nehmen. Atlas bezeigte sich willig, und Herakles stemmte die mächtigen Schultern dem Himmelsgewölbe unter. Jener dagegen machte sich auf, schläferte den um den Baum sich ringelnden Drachen ein, tötete ihn, überlistete die Hüterinnen und kam mit drei Äpfeln, die er gepflückt, glücklich zu Herakles.
"Aber", sprach er, "meine Schultern haben nun einmal empfunden, wie es schmeckt, wenn der eherne Himmel nicht auf ihnen lastet. Ich mag ihn fürder nicht wieder tragen." So warf er die Äpfel vor dem Halbgott auf den Rasen und ließ diesen mit der ungewohnten, unerträglichen Last stehen.
Herakles mußte auf eine List sinnen, um loszukommen. "Laß mich", sprach er zum Himmelsträger, "nur einen Bausch von Stricken um den Kopf winden, damit mir die entsetzliche Last nicht das Gehirn zersprengt."
Atlas fand die Forderung billig und stellte sich, nach seiner Meinung auf wenige Augenblicke, dem Himmel wieder unter. Aber er konnte lange warten, bis Herakles ihn wieder ablöste, und der Betrüger wurde zum Betrogenen. Denn Herakles nahm die Äpfel vom Rasen auf und machte sich mit den goldenen Früchten aus dem Staube. Er brachte diese dem Eurystheus, der sie, da sein Zweck, den Herakles aus dem Wege zu räumen, doch nicht erreicht war, dem Helden wieder als Geschenk zurückgab. Dieser legte sie auf dem Altare Athenes nieder; die Göttin aber wußte, daß es der heiligen Bestimmung dieser goldenen Früchte zuwider war, irgendwo anders aufbewahrt zu werden, und so trug sie die Äpfel wieder in den Garten der Hesperiden zurück.
SCHWAB, G. (1965); S. 129-130.



Quellen:
FINK, G.: Who's who in der antiken Mythologie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1998 (7. Auflage), S. 129-135.
HUNGER, H.: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 1974.

SCHWAB, G.: Sagen des klassischen Altertums. München, Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., 1965; S. 112-148.